Sonntag, 7. September 2008

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

„Tututut, die Eisenbahn, wer darf mit zu Auswärtsspielen fahr’n?“

Bei unseren italienischen Freunden ist die Kacke mal wieder mächtig am Dampfen, der Ligastart von Gewalttätigkeiten und entsprechenden Sanktionen überschattet.
Wenn man gemein sein will, könnte man Italien als ein Operettenland mit dazugehörigen Operettenmenschen bezeichnen. Wenn man jedoch ein wenig fairer ist, und das möchten wir ja hier sein, dann müsste man Italien eher als ein Opernland bezeichnen. Und wir alle wissen: Die Oper ist für viele die höchste aller Kunstformen, da geht’s entsprechend hoch her und öfter auch mal gewalttätig zur Sache.
Und so geschah es am ersten Spieltag der Serie A, dass Ultras des SSC Neapel, die zum Auswärtsspiel nach Rom (gegen die Roma) wollten, einen Bahnhof ihrer Heimatstadt zerlegt haben. Danach kaperten sie ohne entsprechende gültige Fahrausweise einen Zug – mit dem ging es dann gen Rom – und zwangen die anderen Fahrgäste zum Ausstieg. Auf der Fahrt wurde natürlich auch der Zug in Mitleidenschaft gezogen. Bereits festgenommene Fans wurden auf Veranlassung des neapolitanischen Polizeichefs, Antonio Puglisi, wieder freigelassen, ganz im Sinne der guten alten Deeskalationsstrategie. Nun droht Puglisi die Entlassung.
Auch wenn beteuert wurde, man wolle die Vereine nicht bestrafen, griffen Politik und die Fußballbonzen hart durch: Am 14. September findet die Partie zwischen Neapel und Florenz im San Paolo ohne Zuschauer statt. Die ebenfalls nicht artig gewesenen Tifosi des AC Milan dürfen nicht zum Spiel gegen den FC Genua anreisen. Und für die Anhänger des SSC Neapel wurde gar für die gesamte Saison ein Reiseverbot zu Auswärtsspielen verhängt. Bürgerrechte ick hör‘ dir trapsen!
Nach Erkenntnissen der Polizei soll hinter den Krawallen in Neapel die neapolitanische Mafia stecken, was für die unterkühlte Logik einer Mitteleuropäerin (meine) schwer nachzuvollziehen ist. Bisher hieß es doch immer, die Mafia wolle vor allem in Ruhe Geld verdienen und brauche solche Demonstrationen von Stärke gegenüber dem Staat nicht. Vielleicht wollen da auch nur ein paar Leute von den Problemen im und um den Fußball in Italien ablenken und hoffen, dass wir Ahnungslosen auf solche Verschwörungstheorien reinfallen. Hm, mal sehen … Ja, hat geklappt!
Ministerpräsident good old Silvio Berlusconi hat bereits die Null-Toleranz gegenüber gewalttätige Ultras ausgerufen und lässt sich dabei vom Land mit den Fußballern mit den eckigen Füßen inspirieren: „Ich bin sicher, dass auch in Italien die Anti-Hooligan-Maßnahmen der Briten positive Resultate zeigen werden.“ Mit der Konsequenz, dass die Tifosi kräftig an der Pasta und anderen Schleckereien sparen müssen, denn demnächst könnte ein Fußball-Ticket plötzlich schlanke 120 Euros kosten, was selbst für eine Südliga-Krawalltouristin wie mich bedrohlich wäre.

Was vom Saisonauftakt übrig blieb, oder: Schpanien, wie es singt und lacht.
Ja, ja, die gute alte Auswärtsschwäche beschert Barca (schnüff!) als auch Real MadRIP (he, he!) eine Auftaktpleite in der Liga. Atletico Madrid ist durch einen 4:0-Erfolg Meister des ersten Spieltags und nach dem Spiel gegen Schalke überhaupt und irgendwie mit einer Menge Sympathien ausgestattet.

Noch eine Meldung, die nachdenklich stimmt: „Bukarest (dpa) - Mehr als Tausend Fans des rumänischen A-Liga-Fußballvereins Poli Stiinta Timisoara haben sich Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Die Randalierer waren in der westrumänischen Stadt auf die Straße gegangen, nachdem der rumänische Fußballverband FRF einen Punkteabzug für den Temeswarer Verein bekanntgegeben hatte. Die Polizei setzte Tränengas ein und nahm mehrere Randalierer fest, berichtete der Fernsehsender Realitatea TV. Der FRF hatte mit dem Punkteabzug (6 Punkte in der Meisterschaft 2008/2009) auf eine entsprechende Entscheidung der des internationalen Fußballverbands FIFA reagiert. Dem FC Timisoara wird vorgeworfen, unrechtmäßig die Klubfarben (Violett) des Traditionsvereins Politechnica Timisoara zu verwenden. Der Besitzer des FC Timisoara, der Geschäftsmann Marian Iancu, hatte angekündigt, er wolle die Mannschaft aus der Meisterschaft zurückziehen.“ – Falls das Schule macht, könnte zum Beispiel auch dem BFC ein Punktabzug drohen, wenn sich der Wein beschweren sollte, unrechtmäßig im Weinrot der Trikots des Clubs aufzutauchen. – Die Dinge geraten scheinbar außer Kontrolle, sagte mein Anwalt.

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