Mittwoch, 17. Dezember 2008

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Barca kann den Fußball retten, die Welt, die Wirtschaft und die Weltwirtschaft aber nicht, Alter!

Irgendwie war es einer der schönsten clásicos seit Langem. Nicht das spielerische Niveau gab den Ausschlag – da hatte man in den letzten Jahren schon flottere Spiele der beiden gegeneinander erlebt –, es war das Happy End, das doch noch eintrat und von dem wir sonst doch sicher nicht glauben, dass es eintritt: Vergessen wir nicht, Optimimus ist entweder „Feigheit“ (Oswald Spengler) oder „Mangel an Information“ (Heiner Müller – Obacht, ist nicht der erfolgreiche Schalke-Manager!).
Das war schon ein verdammt schlauer Schachzug von Real, einfach einen ehemaligen Barca-Jugendtrainer an Bernd the blonde angel Schusters Stelle auf die Bank zu setzen, Juande Ramos, mit dem FC Sevilla zweimaliger Uefa-Cup-Gewinner. Schon in der letzten Saison pflegte Real einen Art Testosteron-Fußball ohne viel Glanz. Darum war es für Barca besonders bitter gegen die Schweinchen aus Madrid zu verlieren, da sie ja eigentlich wesentlich mehr Qualität im Kader hatten und haben. Wie Paul Ingendaay vor einigen Wochen in der FAZ schrieb: Es ist immer bitter auf Grund von fehlenden Sekundärtugenden den Kürzeren zu ziehen. Nun scheint aber erstmal Schluss damit – möge es ewig währen! Und das obwohl Real mit seinem Trainer an diesem Sonnabend im Nou Camp alles das rausholte, was wir sonst von den tristen Plätzen der dritten Herrenmannschaften an Sonntagnachmittagen bei Nieselregen kennen: Macht kaputt, was euch kaputt macht – nämlich Talent, Esprit und Leistung der anderen.
Fast wäre es den Weißen gelungen, den Fußball kaputt zu machen, den Zynismus siegen zu lassen, die Achillessehne von Messi entzwei zu treten. Dass es dann gerade Samuel Eto’o war, der Barcas Triumph mit seinem 1:0 einleitete, und das nach kurz zuvor verschossenem Elfer, befriedigte jeden, der auch nur ein wenig Hass spürt. Es ist die Dauerfehde, nicht nur Barca vs. Real, sondern auch Eto’o vs. Real, die Fußballvendetta. Gegen die „Königlichen“ schießt er besonders gerne Tore. Wie sie ihn in Madrid behandelt haben, als er als Teenager aus Afrika dort ankam – der Verein schickte nicht einmal jemanden, der ihn vom Flughafen abholen sollte –, die Missachtung seines Talents, die Ignoranz und Dummheit wird er ihnen nicht so schnell vergessen. So erlöst ihn jedes Tor von dieser Demütigung. Sonnabendnacht drückte sich wohl noch etwas anderes in seinem Torjubel aus, Zorn, ohnmächtige Wut über ein finstere private Tragödie, von der, wie es scheint, seine Familie betroffen ist und die Ronald Reng etwas pietätlos am Montag in der Berliner Zeitung ausplauderte, nicht ohne zu erwähnen, dass nur Eingeweihte von der Sache wissen. Dass sich diese Sache auf seinen Torjubel auswirkte, ist Rengs Spekulation, doch sie ist nachvollziehbar. Dass Eto’o trotz dieser bedrückenden Sache spielte, ist ihm umso höher anzurechnen.
Messi besorgte dann den Rest.
Angeblich soll Pep Guardiola, der Barca-Trainer, im Bus auf dem Weg vom Hotel zum Stadion – ja, das machen die schon mal bei Heimspielen so – der Mannschaft Coldplays „Viva la vida“ aus Motivationsgründen vorgespielt haben. So haben die also auch noch was für die Menschheit getan. Ey, thank you!

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