Mittwoch, 11. März 2009

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Südliche und allgemeine Adnoten

Muss auch mal sein – Lob des Status quo: Und der zeigt in Schpanien und Italien Barca bzw. Inter recht solide an der Tabellenspitze, mit sechs und mit sieben Punkten Vorsprung auf den Zweiten, hier Real MadRIP, dort Juventus Turin. Dabei hatten die Status-quo-Umstürzler, und das sind wohl alle Umstürzler irgendwie, in den letzten Wochen gar Morgenluft gewittert – Inter konnte nur dank des Schiris eine Heimpleite gegen die Roma verhindern, und Barca verlor erst das Derby gegen Espanyol und dann auch noch bei Atletico Madrid furios mit 3:4.
Doch manchmal kommt die aus den Fugen geratene Welt auch wieder in Ordnung, auch wenn das durchaus Ansichtssache sein mag (Pluralismus, ick hör’ dir trapsen!). So gewann Barca das vorgezogene Pokal-Endspiel gegen Athletic Bilbao mit 2:0. (Meta-Adnote: mit Barca und Bilbao standen sich die beiden Rekordpokalsieger Spaniens gegenüber – auch wenn man mit dem spanischen Staat so seine Probleme hat, den Pokal dieser förderalen Nation nimmt doch immer gerne mit.)
Zuvor hatte Christian Eichler in seiner „Eurogoals“-Kolumne auf faz.net noch geunkt, dass die Barca-Abwehr nur Mittelmaß sei, und dabei vergaß er scheinbar völlig, dass diese noch einer der besten Europas während der Hinrunde gewesen war. Ja, so schnelllebig und vergesslich macht der News-Druck der Presse das Hirn. Und darum werde ich die Sache im Auge behalten, quasi: Eichler-Watch.
Und Inter bewies am letzten Wochenende Souveränität und gewann beim starken CFC Genua. Wer also auf Unsicherheit und auf ungewisse Enden steht, hält sich wohl derzeit eher an den Ligen in Deutschland aka. ’schland, Frankreich oder Portugal schadlos.

Auch in der DDR gab’s einen Süden: Auch wenn man wegen Uwe Tellkamp und seines „Turm“-Romans mittlerweile nichts mehr gegen Dresden sagen darf, ohne in deutschen Feuilletonstuben auf der Stelle aufgeknüpft zu werden, erfreute es einen doch wieder sehr, am Sonntag im Berliner Jahn-Sportpark beim Spiel Union-Dynamo Dresden dem alten Berlin-Sachsen-Hass zu frönen. Es wurden die Klassiker, oder solche, die es sein wollen, auf den Rängen zum besten gegeben: „Ihr seid Sachsen, asoziale Sachsen ...“, „Union, die Fußballhure“, „Zack, Zack, Zack, Sachsenpack“ etc. pp.
Dynamo spielte ordentlich (hatte aber nicht annähernd die Qualität der Choreos der mitgebrachten Fans), Union besser und gewann verdient mit 2:1. Und ich war die größte Zeit des Spiels auf der verzweifelten Suche nach Glühwein, ohne Erfolg. Angeblich hatte ich die erzwungene Abstinenz im Stadion den sogenannten Sicherheitsvorkehrungen zu verdanken. Denn es gibt nun schon eine ganze Weile eine Art Privatfehde zwischen den Dynamos und der Berliner Polizei (Polizeipräsident Glietsch hatte beim letztjährigen Union-Dresden-Spiel gar versucht, den Verkauf von Gästekarten ganz zu verhindern). Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die ehemaligen Polizeisportvereine (Dynamo Dresden, BFC) des realexistierenden Sozialismus auf deutschem Boden mittlerweile und immer wieder die größten Probleme mit der Polizei haben. Ironie? Ja! Ach so: Ha, ha, ha! – Ja, höret diese Worte: Die Ersten werden die Letzten sein. – Vielleicht ist Polizeipräsident Glietsch aber auch nur ein verdammter Spielverderber.

Was steht hinter einer möglichen EU-Erweiterung? – Was die Türkei betrifft, scheint der Fall klar zu sein: Europas Fußball und seine Gepflogenheiten sollen vor Langeweile bewahrt werden. Jörg Berger weiß da einiges zu berichten: Clubbosse mit Knarren, das Schlachten eines Rinds im Mittelkreis durch den neuen Trainer als erste Amtshandlung. Da stinken Beckham und seine Unterwäscheprobleme aber gewaltig gegen ab, Fräulein Old Europe!

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