Mittwoch, 28. Oktober 2009

Der Südligenbericht von Catherine Zeta-Bohlen

Kulturauftrag und Anthropologie 

Das gesamte Wochenende über wärmte ein kleines Shakespeare-Zitat mein Herz. „My hands are of your colour; but I shame / To wear a heart so white.“ („Meine Hände / Sind blutig, wie die deinen; doch ich schäme / Mich, dass mein Herz so weiß ist.“) 

Und nach dem 0:0 Real Madrids bei Sporting Gijon ließ mich mein Überschwang – immerhin war das nach dem 2:3 gegen Milan (die Sportzeitung „Marca“ hatte vor der Partie geunkt, ob die Milan-Spieler im Hotel oder im Altenheim übernachten werden) in der Champions League eine denkbar schlechte Woche für die Unsympathen aus der spanischen Hauptstadt – die schönen Zeilen etwas umdichten (als Bildungsbürgerin darf man das!). Dafür musste ich mich allerdings als Real-Knappen imaginieren, was hart genug war. Hier das Ergebnis: „ My hands are of your colour; but I shame / To wear a shirt so white.“ Hehe, hoho. – Klar, was jetzt kommt: Müsste es nicht eigentlich „jersey“ statt „shirt“ heißen? Sicher, aber dann würde einem die ganze Metrik auseinanderfliegen. Wie dem auch sei ... ich denke, ich habe hier meinen Kulturauftrag erfüllt und die Leute noch einmal daran erinnert, dass ab und zu Hexameter wichtiger als beispielsweise Viererketten sein können. 

Ansonsten sah ich am Wochenende meine Vorurteile bestätigt, dass die niederen Gefühle eine starke Antriebskraft im organisierten Fußballsport und dessen Anhängerbereich sind (einer der Gründe, warum mich damit überhaupt beschäftige, als passionierte Hobby-Anthropologin). Folgende Themenfelder gelang es mir einzukreisen: 

Häme: Fürs Auswärtsspiel an der Anfield Road in Liverpool hatten sich die ManUnited-Anhänger putzige Utensilien eingepackt – aufblasbare Strandbälle, als kleine Fingerzeig, was dem FC Liverpool am Spieltag zuvor in Sunderland widerfahren war (tribuenenbrand.de berichtete). Allerdings wurden die aufs Spielfeld beförderten Spielentscheider rechtzeitig entfernt. 

Hass und Gewalt und Krankheit noch dazu (und zurück im Süden): Eigentlich wurde schon ob des hitzigen Duells am Sonntag zwischen Olympique Marseille und Paris Saint Germain voll Vorfreude frohlockt. Doch dann sickerte bereits am Freitag durch, dass daraus vielleicht nichts werden würde. Der Grund: Drei PSG-Spieler hatten sich mit der Schweinegrippe infiziert, was ein Großteil der Marseille-Anhängerschaft wohl nicht groß verwunderte. Aber dann wurde das Spiel doch tatsächlich wegen dieser kleinen Unpässlichkeit abgesagt. Ein Großteil der PSG-Fanbusse konnte von Polizei auf der Autobahn noch abgefangen werden, jedoch, einige schafften es dennoch bis in die Stadt, um den Auftrag zu erfüllen: Stress. Da ja nun nicht mal mehr ein Fußballspiel anstand (Ausweichtermin noch unklar), konnte man sich ordentlich Zeit für Prügel und Randale nehmen. 

Dabei sollen selbst Anwohner von ihren Fenstern aus die eingekesselten PSG-Fans beworfen haben. Deswegen ein Sprachgebrauchsvorschlag: neben sogenannten „Fans“ sollte es auch sogenannte „Anwohner“ heißen, um klarzustellen, dass nicht alle so sind. 

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